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DAS KHABARELLI-VERBOT Kann man Wettkampfjudo noch sinnvoll regeln? |
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von Ulrich Klocke Diese Ausführung ist zwar regelgerecht, aber extrem gefährlich für Uke! Einleitung Bestrafungen
sind immer sehr problematisch, vor allem wenn sie mit einer
Disqualifikation verbunden sind, die zum Ausschluss aus dem Wettkampf führt.
Bei den Europameisterschaften in Düsseldorf gingen bei Trainern und
Zuschauern die Wellen hoch, als die Kampfrichter nach der neuen
"Khabarelli-Regel" (Kawazu-gake) auf Disqualifikation
entscheiden. In den Wettkampfregeln der IJF findet sich in Artikel 27 "Verbotene Handlungen", Abschnitt C "Keikoku" unter Punkt 22 folgendes: "Keikoku wird jedem Kämpfer erteilt, der einen schweren Verstoß begangen hat." Unten Kawazu-gake ("Beinumschlingen") wird aufgeführt: "Es ist verboten, zu versuchen, den Gegner dadurch zu werfen, dass ein Bein um das Bein des Gegners geschlungen wird, während man mehr oder weniger in dieselbe Richtung wie der Gegner blickt uns sich rückwärts auf ihn fallen lässt." Diese
Regelung gibt es schon seit sehr vielen Jahren. Offiziell neu zum 1.5.2003
wurde eingeführt: "Der im Regelwerk aufgeführte
"klassische Fall" von Kawazu-gake wird mit Hansoku-make
bestraft. Ebenso wird jeder Fall von "Beinumschlingen" zur Ausführung
eines Wurfes mit Hansoku-make bestraft, wenn Tori seinen Gegner anhebt und
dabei zur Wurfausführung eine Körperdrehung nach hinten macht
und mit fällt. Das Umschlingen des Beines zur Ausführung von
z.B. O-soto-gari, O-uchi-gari ist nicht verboten und wird aus diesem
Grunde bestraft."
Offensichtlich hat man die
vorherige Regelung nicht nur verschärft, sondern auch auf einen ganz
bestimmten Wurf spezifisiert. Nach Analysen des Khabarelli durch Fotoserien, die mein Freund Paul Clemens oder ich selber bei verschiedenen großen Meisterschaften gemacht haben (vgl. dazu auch die Seiten 43-46) sowie durch Beobachtungen bei meinen Schülern oder Videoaufzeichnungen fällt es mir schwer, der Argumentation der Regel-Kommissionen der IJK zu folgen. Meiner Auffassung nach liegt die Gefährdung bei der Ausführung eines Khabarelli nicht im Umschlingen des Beines (Kawazu-gake) sondern in ganz anderen Bereichen:
Die wiklichen Gefährdungen liegen nicht im Umschlingen des Beines von Uke sondern in ganz anderen Bereichen! Die wirklichen Gefährdungen bleiben ungestraft Diese beiden wirklich schwerwiegenden Gefahren bei einem Khabarelli werden jedoch nicht bestraft. So kann Uke bei der Ausführung eines Khabarelli ohne "Beinumschlingen" weiter auf den Kopf geworfen werden, ohne dass eine Bestrafung erfolgt und das Risiko eines Ellenbogenbruchs wird weiterhin in Kauf genommen ohne Bestrafung. Nun argumentieren manche Trainer, dass Uke sich ja einfach werfen lassen können und damit jede Gefährdung für ihn ausgeschlossen ist. Dem ist natürlich nicht so! Bei zahlreichen Ausführungen hat Uke gar keine Chance, dem Fall auf den Arm oder Kopf zu entgehen, auch wenn er ihn gerne vermeiden würde. Eine Gefährdung des Beines oder Kniegelenks von Uke durch einen Khabarelli habe ich bisher in meiner fast 30-jährigen Karriere als Judotrainer und Judofotograf noch nicht erlebt. Letzteres bestätigt auch der DJB-Chef-Bundestrainer Manfred Birod in einer Erläuterung zu den Regeln im offiziellen Fachorgan des DJB (vgl. JM 10/02, S. 34). "Khabarelli
ist eine Technik, auf die viele Japaner fallen, die aber kaum ein Japaner
erfolgreich wirft!" (Sven Collas)
Die neue Kawazu-gake Regel also ein Komplott der Japaner gegen die weltweite Judo-Entwicklung? Das scheint mir nun doch etwas überzogen, zumal der IJF-Präsident Pack (KOR) nicht als "Busenfreund" der Japaner anzusehen ist und die IJF-Regelkommission von einem Spanier geleitet wird, der ebenfalls nicht als "Japan-hörige" verdächtigt werden kann. So lässt sich diese Argumentation sicherlich nur schwer statistisch untermauern. Wem schadet diese Regel? Aber dennoch bleibt die Frage: Warum diese Regeländerung? Wem nützt diese Regeländerung? Oder anders ausgedrückt: Wem schadet sie? Die Antwort erhielten bei den Europameisterschaften in Düsseldorf u.a. ein Kämpfer aus der Ukraine -66 kg sowie die Deutsche Karolin Kubatzki, in der Klasse -57 kg. Beide wurden wegen Khabarelli Ansatz disqualifiziert und konnten sich den Fortgang der EM von den Tribünen aus ansehen. Wenn man die neben stehenden Fotoserien studiert, dann wird deutlich, worin die Gefährdungen bei einem Khabarelli tatsächlich liegen. Deutlich wird meiner Ansicht nach auch: im Umschlingen des Beines (Kawazu-gake) liegen sie ganz sicherlich nicht! Funktionäre schaden sich selbst! Die Antwort auf die Frage "Wem schadet siese Regel?" ist aus meiner Sicht zum jetzigen Zeitpunkt vor allem so zu beantworten mit: Sie schadet dem Vertrauen in Weitsicht und Weisheit der Funktionäre, die ohne hinreichende Prüfung eine Regel in Kraft gesetzt haben, deren Sinn der überwiegenden Mehrheit der Judoka nicht zugänglich ist! Sie ist zwar legal, aber es fehlt ihr die Legimität! Text und Fotos: Ulrich Klocke Qüelle: Judo Sport Journal, Nr 35/36, ISSN 1436-8781 Hier ohne Fotos ____________________________________________ für Sambokas: bei Khabarelli-Technik handelt es sich um Бросок с обвивом (Обвив с захватом пояса через плечо). Tori - Angreifer Uke - Verteidiger |
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