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Training mit Vladimir Vasiliev

(Ausschnitte)

 

von Trevor Robinson

Übersetzt aus dem Englischen von Michael H.

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Was im Systema herausragend ist, ist die ultra-schnelle Lernkurve, die unglaubliche Einfachheit der Techniken, komplette Freiheit der Bewegung und die Betonung von kontinuierlichen Attacken genauso wie die Ökonomie der Bewegung.

Unvorhersehbare Bewegungen gegen Einzel und mehrere Angreifer in jeder Situation und in jeder Umgebung. Der beste Teil ist, dass du fähig bist, dieses auch in deine eigene betriebene Kunst einzufügen und die entspannten und kreisförmigen Bewegungen zu benutzen, welche ähnlich sind wie Jiu Jitsu, Aikido und andere Künste.

Wenn es nun um Waffenabwehr geht ist das Systema eine Welt für sich, es ist einfach die beste Verteidigung gegen Messer, welche ich in meinen 23 Jahren an Kampfkunsterfahrung gesehen habe und ich habe Ninjutsu, Jiu Jitsu und Jeet Kune Do gelernt. Ich habe auch Philippinische Messerarbeit gesehen und dies schlägt es um ein weites. Wenn es um mehrere Angreifer geht, habe ich noch nie eine Kunst gesehen, welche so mit diesem Thema umgehen kann, wie das Systema. In den japanischen Kampfkünsten wird den Übenden ein System der Theorie gegeben und man hofft auf das beste, doch in der Russischen Kampfkunst wird das Beste geliefert. Ich habe Filmmaterial von Spetsnaz Truppen gesehen, welche sich gegen bis zu 24 Leute gleichzeitig verteidigt haben. Mein eigenes Training hat sich mittlerweile derart verändert, dass ich mich gewöhnlich gegen bis zu drei Leute verteidige, seit ich aus Vladimirs Schule gekommen bin.

Wir trainierten um 19:30 Uhr und es begann wie ein normales Training, obwohl wir einige ungewöhnliche Aufwärmübungen ausführten. Das Systema benutzt eine Menge an Schulterbewegungen, welche in den Japanischen Kampfkünsten nicht vorkommen. Die Bewegungen sind wellenförmig, meist fließend und die Schultern werden in kreisförmigen Bewegungen benutzt. In Japanischen Kampfkünsten wird der Rücken sehr gerade gehalten und die Schultern werden nicht viel bewegt; im Systema jedoch werden die Schultern tatsächlich benutzt zum blocken, damit die Hände tief bleiben können, um den Unterleib zu schützen. Wenn die Schläge zum Gesicht gehen, so können sie mit den Schultern und der Brust weitergelenkt werden.

Dies war für mich eines der ungewöhnlichsten Dinge, die es zu lernen gab, da ich aus dem Bereich der Japanischen Kampfkünste komme. Einer der ersten Punkte, den man mir deutlich macht, war, dass ich „Luft beschützen“ würde. Im Systema werden die meisten Schläge und Tritte sehr nah am Körper blockiert. In den Japanischen Kampfkünsten werden sie mindestens 2 Fuß (60 cm) entfernt vom Körper blockiert und das ist es, was damit gemeint war, dass ich Luft beschützen würde. Dann sagte er zu mir, ich sollte den Gegner eher zu meiner Technik bringen, als eine Technik an ihm anzuwenden. Das Systema ist darin total verschieden, es beruht eher auf Körperbewegung als auf Techniken. Vladimir sagte mir, dass dies der Grund wäre, warum ich in Kanada war, um Körperbewegung zu lernen anstelle von Techniken. Ich hatte bereits mehr Techniken als ich brauchte, aber wenn ich mich erst einmal bewegen würde wie sie, dann würde ich verstehen. Er war zuversichtlich, dass ich es in den zwei Wochen verstehen würde.

Am Ende der Stunde trainierten wir frei. Ich habe einen fundierten Hintergrund in den Kampfkünsten, da ich seit Ende der 70 Jahre trainiere und ein Shukokai Schwarzgurt bin und Judo, Boxen, Jeet Kune Do, Tai Chi und Aikido trainiert habe, deshalb fühlte ich mich so jemanden wie Vladimir gut gewachsen. Schließlich hatte er in seinen frühen Jahren nur ein wenig Karate gemacht und sein Spetsnaz Training. Mit großer Ehre begriff ich, dass es alles benötigte, was ich konnte, nur um zu erreichen, dass dieser Mann aufhörte mich zu schlagen. In Wirklichkeit hat er mir den Arsch aufgerissen! Trotz 23 Jahre Training schlug er mich wie er wollte. Ich konnte nichts stoppen, was er tat.

Tatsächlich hatte ich überhaupt keine Ahnung, was er tat. Ich hatte noch nie zuvor Bewegungen gesehen, welche so täuschend waren, obwohl ich aus dem Bereich Ninjutsu kam. Vladimir verkörperte die Täuschung. Wenn ich dachte, er würde mein Bein angreifen schlug er mir gegen den Kopf. Wenn ich meinen Kopf verteidigte, trat er mir in den Unterleib. Als ich begriff, dass er mit Finte arbeitete, machte er etwas anderes, und traf mich wieder. Alles was ich tat war sinnlos und ich war seit Jahrzehnten nicht in solch einer Situation. Meine Schüler beschreiben, gegen mich zu Kämpfen sei wie in eine Bärenfalle zu treten, aber dieser Mann war fähig zwischen die Zähne des Bären zu gehen und mich zu schlagen wann und wie er wollte. Es war gut zu wissen, dass es immer jemanden gibt, der besser ist. All meine Lehrer lernten mich „den Geist eines Kindes zu haben“, so kannst du immer lernen. Ich nahm es nicht als eine Niederlage/ Schande, sondern als eine Herausforderung und fühlte mich privilegiert und glücklich, dass nach so langer Zeit des Trainings es immer noch Leute gab, welche mir etwas beibringen konnten.

Die nächste Stunde war am Sonntag Nachmittag und einer von Vladimirs Schülern, Randy, übernahm die Lektion. Randy hatte Kämpfer aus allen Teilen der Welt zu Vladimirs Dojo kommen sehen, Männer, welche Weltmeister in Ihrer eigenen Kampfkunst waren, und Vladimir spielte nur mit ihnen. Nach meiner Freitag Abend Sparringsaktion konnte ich verstehen warum! Am Montag hatte ich die einzigartige Gelegenheit mit einem Mann namens Vartelli zu trainieren. Ich hatte ihn auf Vladimirs Messervideo gesehen, wie er Messer in einer Distanz von 20/30 Fuß (6-9Meter)in den Hals einer Zielscheibe warf und nun hatte ich die Möglichkeit mit ihm zu trainieren. Vartelli ist ca. 120-130 Kilo schwer und er bewegt sich wie der Wind, bevorzugt drehende und spiralförmige Techniken. Der Kerl war so was von schnell und ich musste alles was ich hatte benutzen, um nicht abgeschlachtet zu werden.

Wir begannen nun mit der Messerarbeit und was nun folgte war absolut unfassbar. Ich lernte einige der bösartigsten und erschreckensten Messertechniken, welche ich je in meinem Leben gelernt hatte. Vartelli machte es Spaß mich zu unterrichten, da ich die Sachen so schnelle aufnahm. Einige der Techniken waren so erschreckend: sie beinhalteten Schnitte zum Handgelenk, Stiche zum Ellbogen, Schnitte zum Hals und Schnittbewegungen, welche Dich aufschlitzen wie ein abgestochenes Schwein. Wenn man sich vor Augen führt, dass dies von den Spetsnaz benutzt wird, so ist die Realität unmissverständlich: man wird geradewegs in Scheiben geschnitten. Vartelli zeigte mir auch die Verteidigung gegen die Verteidigung und die Konter gegen die Konter, welches für mich noch interessanter aus der Sicht als Lehrer war.

Vladimir behauptet, das Systema macht keinen Unterschied zwischen Blocks, Schlägen und Griffen, im Glauben, dass jede Bewegung multifunktional ist, aber er brachte uns unglaubliche Beweglichkeit während der Ausführung der Techniken bei. Er tat dies, indem er das Prinzip benutze, welches sich „Zentrum der Schwerkraft“ nennt, bei welchem der Körper des Ausführenden sich auf und ab bewegt und dadurch die Hüfte und Schultern befähigt, während der Schläge sich auf ihrer Achse zu drehen. Die gleitende Fußbewegung des Systema ist dem Rollschuhlaufen ähnlich und die Kraft der Schläge kommt aus der Hüfte. Der Arm ist entspannt, wenn der Schlag beginnt, doch die Muskeln beginnen sich allmählich anzuspannen, wenn sich die Technik ihrem Punkt des Kontaktes nähert. Bei der Vollendung der Technik wird der Arm schnell zurückgezogen und die Muskelnanspannung nimmt ab.

In diesen zwei Wochen habe ich wohl mehr blaue Flecken an Ellbogen, Knien, Brust, und Beine gehabt, als in meinem ganzen Leben. Eines der interessanten Dinge des Systema ist, das benutzen von dem was die Japaner „Ukemi“ oder Aufnehmende Technik nennen. Eines der ersten Dinge, die ich lernte, war, dass das Systema einen großen Verteidigungsmechanismus hat, indem es Schläge und Tritte aufnimmt dadurch das der Körper sehr fließend bleibt. Tatsächlich lehrt man jedem Teil des Körpers sich selbst zu verteidigen; jeder Teil des Körper lernt zu entkommen durch Angst. Es ist die natürlichste Verteidigung der Welt, denn, wenn du Angst hast getroffen zu werden, bewegst du den Körperteil weg. In der zweiten Woche erhielt ich wesentlich weniger blaue Flecken, da ich gelernt hatte mit der Technik zu gehen, in einer Art und Weise, wie ich es nie zuvor gekannt hatte. In den japanischen Kampfkünsten lernt man sich durch Fußbewegung gegen Schläge zu verteidigen, aber es gibt sehr wenig Fußarbeit im Systema. Wenn man darüber nachdenkt leuchtet einem ein, dass man die Füße nicht immer bewegen kann, z.b. in begrenztem Raum oder an der Wand. Dann musst du lernen den Körper zu bewegen und dies war ein großer Teil des Trainings, wie man Schläge aufnimmt.

Ich fühlte, dass die 14 Tage schnell vorbei gingen und den letzten Abend verbrachte ich in Vladimirs Haus, genoss ein warmes Bad, welches wirklich gut tat, da ich mich noch nie so schmerzhaft gefühlt hatte, obwohl ich unglaubliches Training genossen hatte. Vladimirs Frau, Valerie sorgte dafür, dass man sich gut um mich kümmerte und seine Schüler waren sowohl geschult als auch freundlich und mein Dank geht an sie alle. Die Kanadischen Leute waren so gastfreundlich, dass mein Aufenthalt dort sehr angenehm war, ausgenommen der Schmerzen natürlich! Vladimir ist eine bescheidener, freundlicher, engagierte Person, mit einer sehr angenehmen und aufgeschlossenen Persönlichkeit, ein starker Kontrast zu dem Spezialeinheitenkiller, welchen man sich vielleicht vorstellen würde. Ich dankte ihm aus ganzen Herzen für seine Geduld, Zeit, Großzügigkeit und Freundschaft. Ich kann es kaum erwarten wieder mit ihm zu trainieren!..

Originaltext im Englischen finden Sie unter www.russianmartialart.com

 

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