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   SYSTEMA ANWENDUNGEN >>> SCHWERT- UND SÄBELKAMPF
  • Anwendungen

     

    Der Schwert- und Säbelkampf (weiter unten Schwertkampf genannt) gehört mit zu den wichtigsten Bereichen des Systema und vermittelt dem Ausübenden Grundprinzipien für den Umgang mit Waffen. Auf diesen Grundprinzipien basierend kann man die Anwendung der meisten anderen Hieb-, Stich- und Stoßwaffen verstehen. Das Erlernen der Basis des Schwertkampfes besteht hauptsächlich aus drei großen Etappen: Schwertführung ohne Partner, Schwertführung mit Partnern und Kampf gegen Schwert (Bild 1) oder Säbel (Bild 2) (weiter unten Schwert genannt).

Lesen Sie auch die Begleitlektüre
zum Thema "Umgang mit Schwert
und Säbel in Systema"

von Andreas Weitzel.

Bild 1

Mirco Hans (Systema Karlsruhe) mit einem Einhandschwert

Bild 2

Mirco mit einer russischen Schaschka (Kosakensäbel)

Am Anfang steht die Schwertführung auf dem Programm. Man lernt zuerst, das Schwert zu halten, ohne das Handgelenk zu belasten. Im Idealfall soll der Winkel zwischen dem Schwert und dem Unterarm gerade sein. Die Faust und der Unterarm liegen auf einer Gerade. Das Handgelenk darf nicht angewinkelt sein. Der Arm wird nicht ausgestreckt, sondern bleibt im Ellenbogen gebeugt (auch gerader Winkel). Die Schulter und der Arm sind locker und entspannt. Der Rücken und der Kopf sind aufrecht und gerade. Die Wirbelsäule ist entlastet. Die Hüften sind stets beweglich. Die Beine sind in den Knien leicht gebeugt.

Die Hauptbewegungen, die man mit dem Schwert ausführt, sind Hiebe. Dazu kommen noch Stiche und beim Säbel Schnittbewegungen. Wenn man das Schwert führt, beschreibt die Schwertspitze hauptsächlich zwei Figuren: Ein gerades Kreuz und ein Andreas-Kreuz. Oder man kombiniert Teile davon. Im Wesentlichen sind es also Hiebe in folgende Richtungen: Von oben nach unten, von unten nach oben, von rechts nach links, von links nach rechts, von rechts oben nach links unten, von links oben nach rechts unten, von rechts unten nach links oben, von links unten nach rechts oben. Die Hiebe werden nicht aus dem Arm oder aus der Schulter ausgeführt, sondern aus dem ganzen Körper. Der Körper bewegt sich und mit ihm die Schulter, der Arm und die Waffe. So sorgt man für kräftige und effektive Hiebe und schnelle, präzise Positionswechsel, obwohl eigene Kräfte gespart werden.

Man bewegt sich ununterbrochen, wenn man das Schwert führt. Mit jedem Hieb wird auch mindestens ein Schritt gemacht, wobei ständig auf die korrekte Form (Körperhaltung) und das sichere Gleichgewicht geachtet wird. Die Bewegungen gleichen denen in einem Wasserstrom; das heißt, dass man jeden eventuellen Widerstand vermeidet und dem Gegner immer eine möglichst kleine Fläche sowohl des Körpers, als auch des Schwertes bietet. Diese Vorgehensweise bietet noch einen Vorteil: Wenn das Schwert immer nur mit der Schneide zum Gegner gerichtet ist, ist die Waffe für den letzten in einem Kampf nur schwer erkennbar.

Mit der Zeit verlängert sich der Weg, auf dem man sein Schwert führt, und die Hieblinien werden zu Kreisen geschlossen. Mehrere Kreise, die aus mehreren Linien entstehen, und Bewegungen und Drehungen des Körpers lassen die zwei Kreuze, die man am Anfang geübt hat, zu einer Kugel werden, wo es keine einzige Stelle gibt, die von dem Schwert nicht getroffen werden kann.

Als nächstes lernt man, das Schwert über den gesamten Körper zu „rollen“, so dass man die Waffe mit dem ganzen Körper fühlt und führt. Das Schwert wird von dem Ellenbogen und  der Schulter, dem Rücken und dem Bauch, den Hüften und den Beinen beschleunigt. Es bewegt sich ununterbrochen um den Körper. Dabei gilt es, die eigene Bewegungs- und Fallschule zu üben, ohne die Arbeit mit dem Schwert abzubrechen.

Sobald man die Klinge verhältnismäßig sicher führen kann, fängt man mit Parterübungen an. Zunächst übt man mit einem unbewaffneten Partner, dessen Aufgabe ist, den Schwerthieben (am Anfang trainiert man mit einem Holzschwert) auszuweichen und selbst anzugreifen. Man übt langsam, um die Sicherheit und die Präzision der Bewegungen zu erlangen. Das Ziel ist, das Schwert so zu führen, dass der Partner nicht mehr ausweichen kann. Auch wenn das Schwert langsam bleibt. Bei dieser Übung lernt man, mit Winkeln und Distanzen zu arbeiten, und sich nicht auf die Schnelligkeit zu verlassen. Mit der Zeit führt man diese Übung mit immer mehr „Angreifern“ aus. Dann verlagert sich der Trainingsschwerpunkt immer mehr zum psychologischen Aspekt des Kampfes, denn der psychische Druck steigt, und man verliert leichter den Überblick und die Kontrolle über sich selbst, die „Angreifer“ und die gesamte Situation.

Gleichzeitig lernen die „Angreifer“ bei solchen Übungen, Schwerthiebe rechtzeitig zu erkennen, realistisch einzuschätzen und ihnen auszuweichen. Sobald man sich nicht mehr auf die Augen verlassen muss, um einem Angriff zu entkommen, kann man die Anzahl der angreifenden Klingen erhöhen, bis man sich in einem Kreis bewegen kann, der aus mehreren mit Schwertern bewaffneten „Gegnern“ besteht.

Erst wenn man gelernt hat, das Schwert zu führen und die Bewegungen des Gegners zu sehen, kann man mit dem eigentlichen Schwertkampftraining beginnen. Zunächst lernt man, gegnerischen Hieben durch die Schrittarbeit auszuweichen. Dann setzt man das Schwert zum weiterleiten, sichern und kontern ein. Oder zum Unterbrechen des gegnerischen Angriffs durch den eigenen. Aber niemals zum Blocken, um dem Angreifer keinen Impuls für weitere Aktionen zu geben.

Bei Kontakten mit dem gegnerischen Schwert ist stets darauf zu achten, dass unsere Schneide die gegnerische Klingenseite kontrolliert. Für einen kurzen Moment kann man das auch mit der eigenen Klingenseite machen. Man sollte aber nie die gegnerische Schneide mit der eigenen Schneide blocken. Auch ist es bei jedem Schwertkontakt darauf zu achten, dass das eigene Schwert sich immer zwischen dem eigenen Körper und der gegnerischen Waffe befindet. Die Schwertkontakte sollten, wenn überhaupt, nur sehr kurz sein und dazu dienen, das gegnerische Schwert an dem eigenen Körper vorbeizuführen.

Je mehr Trainingserfahrungen man sammelt, desto sicherer geht man mit dem Schwert um. Und je sicherer man mit dem Schwert umgeht, desto weniger Kontakt mit der gegnerischen Klinge hat man in einem Kampf. Gute Schrittarbeit, präzises Augenmerk und sichere Schwertführung sind die wichtigsten Voraussetzungen dafür, dass man lernt, die gegnerische Waffe in die Leere laufen zu lassen und den Angreifer direkt zu kontrollieren. Oder den Gegner erst gar nicht zu einem Angriff kommen zu lassen und bereits im Ansatz aufzuhalten. Dabei wird der ganze gegnerische Körper zum Ziel für die eigenen Hiebe, Stiche und Schnitte, wobei man stets beachten soll, welches Ziel man verfolgt und was man damit erreichen will.

Das fortgeschrittene Schwertkampfprogramm enthält weitere interessante Anwendungen der verschieden Klingenwaffen (Einhänder, Eineinhalbhänder, Zweihänder, Säbel etc.) gegen Langwaffen (wie Lanze oder Hellebarde), Kurzwaffen (wie Streitaxt oder Streitkolben), flexible Waffen (wie Kettenpeitsche oder Morgenstern). Auch wird der Umgang mit dem Schwert und dem Schild, sowie der Kampf mit zwei Schwertern oder mit einem Schwert (Säbel) und einer anderen Waffe (wie Peitsche, Dolch oder Messer) geübt.

(aw)

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