Bild 1
Mirco Hans (Systema Karlsruhe) mit einem
Einhandschwert |
Bild 2
Mirco mit einer russischen Schaschka
(Kosakensäbel) |
Am Anfang
steht die Schwertführung auf dem Programm. Man lernt zuerst, das
Schwert zu halten, ohne das Handgelenk zu belasten. Im Idealfall soll der
Winkel zwischen dem Schwert und dem Unterarm gerade sein. Die Faust und
der Unterarm liegen auf einer Gerade. Das Handgelenk darf nicht
angewinkelt sein. Der Arm wird nicht ausgestreckt, sondern bleibt im
Ellenbogen gebeugt (auch gerader Winkel). Die Schulter und der Arm sind
locker und entspannt. Der Rücken und der Kopf sind aufrecht und
gerade. Die Wirbelsäule ist entlastet. Die Hüften sind stets
beweglich. Die Beine sind in den Knien leicht gebeugt.
Die
Hauptbewegungen, die man mit dem Schwert ausführt, sind Hiebe. Dazu
kommen noch Stiche und beim Säbel Schnittbewegungen. Wenn man das
Schwert führt, beschreibt die Schwertspitze hauptsächlich zwei
Figuren: Ein gerades Kreuz und ein Andreas-Kreuz. Oder man kombiniert
Teile davon. Im Wesentlichen sind es also Hiebe in folgende Richtungen:
Von oben nach unten, von unten nach oben, von rechts nach links, von links
nach rechts, von rechts oben nach links unten, von links oben nach rechts
unten, von rechts unten nach links oben, von links unten nach rechts oben.
Die Hiebe werden nicht aus dem Arm oder aus der Schulter ausgeführt,
sondern aus dem ganzen Körper. Der Körper bewegt sich und mit
ihm die Schulter, der Arm und die Waffe. So sorgt man für kräftige
und effektive Hiebe und schnelle, präzise Positionswechsel, obwohl
eigene Kräfte gespart werden.
Man bewegt
sich ununterbrochen, wenn man das Schwert führt. Mit jedem Hieb wird
auch mindestens ein Schritt gemacht, wobei ständig auf die korrekte
Form (Körperhaltung) und das sichere Gleichgewicht geachtet wird. Die
Bewegungen gleichen denen in einem Wasserstrom; das heißt, dass man
jeden eventuellen Widerstand vermeidet und dem Gegner immer eine möglichst
kleine Fläche sowohl des Körpers, als auch des Schwertes bietet.
Diese Vorgehensweise bietet noch einen Vorteil: Wenn das Schwert immer nur
mit der Schneide zum Gegner gerichtet ist, ist die Waffe für den
letzten in einem Kampf nur schwer erkennbar.
Mit der Zeit
verlängert sich der Weg, auf dem man sein Schwert führt, und die
Hieblinien werden zu Kreisen geschlossen. Mehrere Kreise, die aus mehreren
Linien entstehen, und Bewegungen und Drehungen des Körpers lassen die
zwei Kreuze, die man am Anfang geübt hat, zu einer Kugel werden, wo
es keine einzige Stelle gibt, die von dem Schwert nicht getroffen werden
kann.
Als nächstes
lernt man, das Schwert über den gesamten Körper zu „rollen“,
so dass man die Waffe mit dem ganzen Körper fühlt und führt.
Das Schwert wird von dem Ellenbogen und
der Schulter, dem Rücken und dem Bauch, den Hüften und
den Beinen beschleunigt. Es bewegt sich ununterbrochen um den Körper.
Dabei gilt es, die eigene Bewegungs- und Fallschule zu üben, ohne die
Arbeit mit dem Schwert abzubrechen.
Sobald man
die Klinge verhältnismäßig sicher führen kann, fängt
man mit Parterübungen an. Zunächst übt man mit einem
unbewaffneten Partner, dessen Aufgabe ist, den Schwerthieben (am Anfang
trainiert man mit einem Holzschwert) auszuweichen und selbst anzugreifen.
Man übt langsam, um die Sicherheit und die Präzision der
Bewegungen zu erlangen. Das Ziel ist, das Schwert so zu führen, dass
der Partner nicht mehr ausweichen kann. Auch wenn das Schwert langsam
bleibt. Bei dieser Übung lernt man, mit Winkeln und Distanzen zu
arbeiten, und sich nicht auf die Schnelligkeit zu verlassen. Mit der Zeit
führt man diese Übung mit immer mehr „Angreifern“ aus. Dann
verlagert sich der Trainingsschwerpunkt immer mehr zum psychologischen
Aspekt des Kampfes, denn der psychische Druck steigt, und man verliert
leichter den Überblick und die Kontrolle über sich selbst, die
„Angreifer“ und die gesamte Situation.
Gleichzeitig
lernen die „Angreifer“ bei solchen Übungen, Schwerthiebe
rechtzeitig zu erkennen, realistisch einzuschätzen und ihnen
auszuweichen. Sobald man sich nicht mehr auf die Augen verlassen muss, um
einem Angriff zu entkommen, kann man die Anzahl der angreifenden Klingen
erhöhen, bis man sich in einem Kreis bewegen kann, der aus mehreren
mit Schwertern bewaffneten „Gegnern“ besteht.
Erst wenn
man gelernt hat, das Schwert zu führen und die Bewegungen des Gegners
zu sehen, kann man mit dem eigentlichen Schwertkampftraining beginnen. Zunächst
lernt man, gegnerischen Hieben durch die Schrittarbeit auszuweichen. Dann
setzt man das Schwert zum weiterleiten, sichern und kontern ein. Oder zum
Unterbrechen des gegnerischen Angriffs durch den eigenen. Aber niemals zum
Blocken, um dem Angreifer keinen Impuls für weitere Aktionen zu
geben.
Bei
Kontakten mit dem gegnerischen Schwert ist stets darauf zu achten, dass
unsere Schneide die gegnerische Klingenseite kontrolliert. Für einen
kurzen Moment kann man das auch mit der eigenen Klingenseite machen. Man
sollte aber nie die gegnerische Schneide mit der eigenen Schneide blocken.
Auch ist es bei jedem Schwertkontakt darauf zu achten, dass das eigene
Schwert sich immer zwischen dem eigenen Körper und der gegnerischen
Waffe befindet. Die Schwertkontakte sollten, wenn überhaupt, nur sehr
kurz sein und dazu dienen, das gegnerische Schwert an dem eigenen Körper
vorbeizuführen.
Je mehr
Trainingserfahrungen man sammelt, desto sicherer geht man mit dem Schwert
um. Und je sicherer man mit dem Schwert umgeht, desto weniger Kontakt mit
der gegnerischen Klinge hat man in einem Kampf. Gute Schrittarbeit, präzises
Augenmerk und sichere Schwertführung sind die wichtigsten
Voraussetzungen dafür, dass man lernt, die gegnerische Waffe in die
Leere laufen zu lassen und den Angreifer direkt zu kontrollieren. Oder den
Gegner erst gar nicht zu einem Angriff kommen zu lassen und bereits im
Ansatz aufzuhalten. Dabei wird der ganze gegnerische Körper zum Ziel
für die eigenen Hiebe, Stiche und Schnitte, wobei man stets beachten
soll, welches Ziel man verfolgt und was man damit erreichen will.
Das
fortgeschrittene Schwertkampfprogramm enthält weitere interessante
Anwendungen der verschieden Klingenwaffen (Einhänder, Eineinhalbhänder,
Zweihänder, Säbel etc.) gegen Langwaffen (wie Lanze oder
Hellebarde), Kurzwaffen (wie Streitaxt oder Streitkolben), flexible Waffen
(wie Kettenpeitsche oder Morgenstern). Auch wird der Umgang mit dem
Schwert und dem Schild, sowie der Kampf mit zwei Schwertern oder mit einem
Schwert (Säbel) und einer anderen Waffe (wie Peitsche, Dolch oder
Messer) geübt.
 (aw)
zurück zur Übersicht |